Die Burg und Festung Sparrenberg

Die Burg- und Festungsanlage, die über dem Bielefelder Pass auf dem Kamm des Teutoburger Waldes von den Grafen zu Ravensberg erbaut wurde ist heute das Wahrzeichen Bielefelds.

Die mittelalterliche Burg wurde erstmals 1256 urkundlich erwähnt. Lange wurde für die Errichtung das Jahrzehnt um 1240–1250 angenommen. Diese Datierung ist allerdings stark anzuzweifeln: Wie Reinhard Vogelsang deutlich gemacht hat, wäre Bielefeld damit die einzige deutsche Stadt, die früher da gewesen wäre als die zugehörige Burg, was als absoluter Sonderfall anzusehen ist. Daher ist mit ziemlicher Sicherheit davon auszugehen, dass eine Burg, wie immer sie auch ausgesehen haben mag, bereits vor der Stadtgründung vorhanden war; demnach wurde sie an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert erbaut, also etwa ein halbes Jahrhundert früher, als bisher angenommen.

Die mittelalterliche Burg

Von der mittelalterlichen Burganlage sind heute nur der Turmstumpf, die unteren Bereiche der Schildmauer (die den heutigen Burghof zur großen Wiese hin abschließt) und die innere, gotische Toranlage erhalten.

 

gotische, mittelalterliche, innere Toranlage
Bergfried, bis zur Galerie mittelalterlich

Die Festung des 16. und 17. Jahrhunderts

Ab 1450 begann man die mittelalterliche Burg aufgrund der sich weiterentwickelnden Militärtechnik zu einer Festung auszubauen.

Als erstes wurde um 1450 die heute Windmühlenrondell genannte Bastei als freistehende Geschützplattform vor die Westseite der Burg gebaut. Dieser Geschützturm war durch eine Brücke mit einem gedeckten Wehrgang mit der Burg verbunden und besaß Schiesscharten für Kanonen, mit denen die Nordwestmauer und die Südseite der Burg bestrichen werden konnte. Lange Zeit zweifelten die Historiker an den Fähigkeiten der Bielefelder Militärbaumeister der Zeit, da dieser Turm nach dem weiteren Ausbau zur Festung an einer falschen Stelle zu stehen scheint, von ihm aus kann die Fläche vor der Südkurtine (Mauer) nicht mehr beschossen werden.

Das Windmühlenrondell, ursprünglich ein freistehender Geschützturm vor der mittelalterlichen Burgmauer
Bergfried und Brunnen von Westen gesehen

Der weitere Ausbau zur Festung

Ab ca. 1500 wurde der weitere Ausbau der Burganlage in Angriff genommen. Die Schusswaffen waren wesentlich weiterentwickelt worden, die Reichweite und die Durchschlagskraft der Kanonenkugeln hatte sich erhöht. Eine normale Burgmauer, die zwar hoch, aber nicht sehr stark war, konnte einem Beschuss mit den neuen Bronzekanonen nicht standhalten. So gaben die Herzöge von Jülich-Berg, die damaligen Landesherren den weiteren Ausbau der Burg auf dem Sparenberg in Auftrag. Es wurden das Schusterrondell und das Marienrondell gebaut und mit der Südostkurtine verbunden. Ein Vorwerk zum Kamm des Teutoburgerwaldes hin wurde vorgelagert.

 

 

Schusterrondell
Innenraum / Kasematte des Schusterrondells

Interessant sind die unterschiedlichen Ausbauformen der Kasematten, die die Rondelle verbinden und die zur Versorgung und Unterkunft der Festungsbesatzung, aber auch als Artilleriestellungen dienten. Im Schusterrondell sind die Geschützstellungen mit Deckungsnieschen ausgestattet, von denen die Kononiere das Geschütz mit einer Luntenstange zünden konnten, selber aber vor einem etwaigen Rohrkrepierer geschützt waren. Ein solcher Schutz ist in den anderen Rondellen nicht zu finden, was auf die Weiterentwicklung der Geschütz- und Gustechnik hinweist (Bronzekanonen explodierten wesentlich seltener als die früher im Einsatz befindlichen geschmiedeten Eisengeschütze). Es ist aber auch periodisch auftretender Geldmangel beim Ausbau der Festung dokumentiert, wodrunter dann auch die Sicherheit der Festungsbesatzung leiden musste.

östliche Artilleriestellung im Schusterrondell
Deckungsniesche der Artilleriestellung

Innerhalb der Festung Sparrenberg gibt es zwei Kasemattsysteme, das südöstliche, daß Schuster- und Marienrondell miteinander verbindet, sowie das nordwestliche zur Verbindung des Kieikstatt- mit dem Windmühlenrondell.

heutiges Hauptgebäude und Bergfried vom Marienrondell gesehen
Innenhof (Vorburg)
Standbild des großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm Kurfürst von Brandenburg 1640-1688

Augenblicklicher Umgang mit der Burg- und Festungsanlage

Die Sparrenburg als das Wahrzeichen Bielefeld stellt sich dem Besucher im Augenblick als ausgesprochen unattraktiv dar. Es gibt auf der Festungsanlage keine konzeptionierte Beschilderung, die auf die Geschichte der Burg und Festung oder ihre architektonischen Besonderheiten hinweist. Der Besucher wird weder über die wenigen Reste der mittelalterlichen Burg, noch über die heute optisch dominierenden Bauteile der Festungsanlage der frühen Neuzeit informiert. Auch fehlt eine Panorama- Beschilderung an den Aussichts- punkten, die auf besondere Gebäude der Stadt Bielefeld hinweisen. Noch gibt es Hinweistafeln auf die Fledermäuse, die in den nordwestlichen Kasematten überwintern, oder er seltene Pflanzenarten, wie den Goldlack und den wilden Schnittlauch, die innerhalb der parkähnlichen Anlage zu finden sind. Es besteht auf der Burg weder ein Infopunkt, Burgshop, kein Museum, noch eine multimediale Begleitung des Besuchers. Der vorhandene Kiosk ist ein häßliches Gebäude aus den fünfziger Jahren, und an Werktagen meistens geschlossen. Ein einladendes Cafe mit Stadtblick fehlt genauso wie ein Biergarten oder eine Kleinkunstbühne. Im Wettbewerb der museal aufrüstenden Nachbarkommunen sollte sich Bielefeld mit dieser in Norddeutschland einzigartigen Festungsanlage und der für sie wichtigen geschichtlichen Hauptzeit des 30 jährigen Krieges eine Marktlücke erobern.

Die augenblicklich anlaufenden aufwendigen Sanierungsarbeiten der Festungsmauern und die Neugestaltung des Wegesystems können nur gerechtfertigt werden, wenn man auch die Nutzung der Burg und Festung Sparrenberg verändert und verbessert. In diesem Zusammenhang muss gesagt werden, das der vorhandene Bestand an Großbäumen unbedingt erhalten bleiben muss, denn ein Hauptgrund für den Besuch der Anlage durch den Bürger ist das stadtnahe Grün und die parkähnliche Umgebung.

das "Orillon" des Scherpentiners

Arbeitsgruppe Burg und Festung Sparrenberg

Die "Bürgernähe, Wählergemeinschaft für Bielefeld" hat für ihre Arbeit unterschiedliche Arbeitsgruppen eingerichtet, unter anderem auch die Arbeitsgruppe: "Burg und Festung Sparrenberg".

Diese Arbeitsgruppe votierte dafür sich innerhalb des "Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg e.V." zu etablieren, um als Kompetenzgruppe politisch neutral zu erscheinen.

der Scherpentiner von Südosten, Orillon und eingezogene, gedeckte Geschützstellung

Ravensberger Blätter 1. Ausgabe 2006: Burg und Festung Sparrenberg

Mit dieser Ausgabe der Ravensberger Blätter hat der Arbeitskreis, bestehend aus Historikern und Fachleuten anderer Disziplinen eine Informationsquelle erarbeitet, die den Fachmann, wie auch den Laien ansprechen soll. Es wird die Baugeschichte der Burg und Festung angesprochen, genauso wie die Mythen, die sich um das Wahrzeichen der Stadt Bielefeld ranken. Es wird die Zeit angesprochen, in der die Anlage als Gefängnis diente, wie auch ihr Symbolwert in der Zeit der beginnenden Industrialisierung bis heute. Und nicht zuletzt werden die Nutzungsmöglichkeiten und deren Verbesserungen diskutiert, wie auch ein Museumspädagogischer Ansatz für die Ansprache der Besucher und Gäste der Festungsanlage.

Schusterrondell von Westen gesehen
Scherpentiner, eine halbe Bastion nach den Feldschlangen, italienisch Serpentinen (leichtes Feldgeschütz) genant
der Scherpentiner 1554 - 1556 von dem italienischen Festungsbaumeister Alessandro Pasqualini erbaut